Tag des offenen Denkmals 2009

Am 13.September, zum Tag des offenen Denkmals, werden folgende Veranstaltung in Putbus und Umgebung angeboten.

10.00 Uhr

Festgottesdienst in der Schlosskirche Putbus zum Thema: "Historische Orte des Genusses"

10.15 - 10.30 Uhr

Spaziergang von der Kirche durch den Park zum Marstall

10.30 Uhr

Eröffnung des Tages des offenen Denkmals auf Rügen durch die Landrätin Kerstin Kassner im Marstall

10.45 Uhr

Festvortrag im Marstall. Vortrag von Herrn Prof.Dr.Hans-Dieter Knapp, Naturschutzakademie auf der Insel Vilm

Alternative Programmpunkte

08.00 - 18.00 Uhr

Kirche in Vilmnitz, Öffnung der Fürstengruft. Herr Carlo Wloch erläutert die Geschichte dieses besonderen Ortes.

11.00 - 16.00 Uhr

Theater Putbus - Führungen, Video, Besichtigung

13.00 Uhr

Führung durch die Stadt und Park, einschließlich Felsenkeller unter Leitung von Herrn Bruhn.

13.00 Uhr

Vorführung zum Steinmetzhandwerk an den Preußensäulen durch Niels und Mana Peter, Steinmetze

 

 

Über Maltes Erben

Wilhelm Malte zu Putbus (Quelle: Stadt Putbus)
Wilhelm Malte zu Putbus (Quelle: Stadt Putbus)

Was wurde aus Ideen und Investitionen des Fürsten zu Putbus?

„Ich scheine zum ewigen Glück geboren“, schrieb Wilhelm Malte zu Putbus (1783-1854) aus der Völkerschlacht von Leipzig an seine Ehefrau Luise nach überstandenem Kanonenhagel und Stunden des Kampfgetümmels. Dieses Glück blieb ihm mit wenigen Ausnahmen bis zu seinem Lebensende treu und half ihm, die eine oder andere Investition für die Zukunft zu meistern. Sein Geburtstag jährte sich am 1. August zum 225. Mal – Anlass für uns, nach dem zu suchen, was aus seinem Erbe geworden ist.

Von den Ideen und Investionen des Fürsten zu Putbus profitieren wir natürlich heute noch. Beginnen wir mit dem Befahren der Alleestraßen, die in die einstige Residenzstadt führen, erholen sich Gäste heute in dem Schatten, den der Planer damals nur erahnen konnte. In den ersten 20 Jahren der Ortsgründung (1810) erfuhren die Straßen und Wege eine grundlegende Erneuerung oder wurden entsprechend der auszubauenden Infrastruktur angelegt – immer mit dem Nutzen der Schatten spendenden und vor Regen schützenden Alleen, von denen nicht allein die Insulaner ins Schwärmen kommen. Zum Markenzeichen des fürstlichen Straßenbaus entwickelten sich die schmiedeeisernen Wegweiser, von denen wir heute wieder einen Großteil bewundern können.

Wer in Putbus gelandet ist, überzeugt sich gern von den Vorzügen der historischen Stadtanlage, die mit Circus, Alleestraße und Marktplatz in Grundzügen der Anlage des englischen Badeortes Bath nachempfunden wurde. Zwischen 1810 und 1845 entwickelte der Fürst diesen wertvollen Stadtkern, der heute unter Denkmalschutz steht und seit der Wende mit fast 20 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln saniert wurde. Nun befindet sich noch nicht jedes der über 100 klassizistischen Stadthäuser in dem ursprünglichen Zustand, doch spürt man den schrittweisen Willen von alten und neuen Putbussern, ganz im Sinne des Ortsgründers die einstigen Wohn- und Geschäftshäuser wieder herzustellen und langsam mit Leben zu füllen.

Ein lebendiges Zeichen dafür sind die vielen Rosen, die die Hauseigentümer in den zurückliegenden Jahren gepflegt oder neu angepflanzt haben. Was Fürst Malte einst als schmückendes Element für seine weiße Stadt am Meer einführte und für jedes weiß gekalkte Haus verordnete, wird bald wieder zum Standard der Rosenstadt gehören. Über 300 Pflanzstellen könnten in den kommenden Jahren, möglicherweise bis zum 200-jährigen Ortsjubiläum, noch mit passenden Rosenstöcken versehen werden – ein Ansporn, von dem sich die Einwohner sicher anstecken lassen werden.

Schließlich bleibt jeder der Besucher vor dem größten Gebäude des Circus stehen und kommt nicht mehr aus dem Staunen, wie lange es keinen Anstrich , neue Fenster oder Türen bekommen hat. Fürst Malte eröffnete es 1836 als höhere Bildungsanstalt der Insel Rügen und machte es als Königliches Pädagogium über die Inselgrenzen hinweg berühmt. Heute sind die Informatik-Experten um Dr. Reinhard Wendlandt in seine Fußstapfen getreten und investieren jetzt Millionen in das IT-College, eine ganz moderne Bildungseinrichtung auf dem Gebiet der Informationstechnologien. Wie einst der Fürst wird tagtäglich an der Weiterentwicklung des Bildungsgedanken auf dem IT-Circus gefeilt und mit staatlicher Hilfe umgesetzt. Das jugendliche Leben, das mit der Blüte in den Ort Einzug halten wird, stand schon bei dem Fürsten im Vordergrund seiner mutigen Investition.

Nicht weniger innovativ zeigten sich die Bestrebungen des Fürsten, ähnlich wie andere Badeorte an der Ostseeküste zu damaliger Zeit, hier auf Rügen den Badetourismus zu etablieren. Nach ersten bescheidenen Anfängen an der Boddenküste von Neuendorf und später Lauterbach ließ er seine Bade-Direktion alle hier getätigten Investitionen an dem Strand von Binz wiederholen und begründete damit das mondäne Bad und Baden an diesem Punkt der Insel. Von den touristischen Gebäuden in Putbus selbst blieb allein das Badehaus in der Goor, dessen Grundstein der Fürst vor genau 190 Jahren legte. Es entstand das Friedrich-Wilhelmsbad, in dem dann die Größen Preußens und dessen Gäste kurten. Heute knüpft die Familie Raulff an diese Tradition an und übernimmt damit einen Bestandteil des kulturellen Erbes der Stadt, mit dem sich Investoren nach 1990 noch sehr schwer taten. Von hier aus erwartet man unter anderem die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem zeitgemäßen Kurort.
Nicht weniger Sorgen macht der 75 Hektar große Park, der von Fürst Malte als englischer Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Was damals über 30 Angestellte anlegten und pflegten, liegt heute in wenigen Händen des städtischen Bauhofes mit nicht ausreichender technischer Ausstattung. Jeder, ob Einwohner oder Besucher, versteht den Park als natürlich gewachsenen Schatz und wichtigen Erholungsfaktor, dessen Pflegezustand aber in vielen Abschnitten nicht mehr zeitgemäß ist. Die Stadtväter werden in den kommenden Jahren nach Alternativen suchen müssen, damit sie nachhaltig und ebenso kreativ und innovativ mit dem Erbe des Fürsten umgehen, wie er es damals tat, als er von seiner Familie den Besitz übernahm. Dieser und seine im Studium und auf Europareisen gesammelten Ideen waren es schließlich, die ihn befähigten, gerade in Bildung und Tourismus zu investieren – zwei Bereichen, von denen wiederum er und die Bewohner seiner Residenz profitieren konnten.

Und heute? Die Stadt Putbus kommt bei ihren Gedankenspielen um die Zukunft nicht um die zwei Entwicklungsbereiche von damals herum. Die Chancen, die sie mit dem fürstlichen Erbe übernommen hat, liegen auf der Hand und brauchen mit ein bisschen Glück „nur“ genutzt werden.

Andrè Farin

Förderverein Residenzstadt Putbus & Schloßpark e.V.