Wie Putbus zu seinen Rosen kam

Wilhelm Malte zu Putbus und die Entstehung der Rosenstadt Putbus

Der Fürst Wilhelm Malte zu Putbus (1783-1854) bereiste zu Beginn des 19. Jahrhunderts die wichtigsten europäischen Länder und beschrieb seine Eindrücke in den noch nicht veröffentlichten Reiseaufzeichnungen der Jahre 1805 bis 1842. Dabei erwies er sich, wenn wir sein Tagebuch lesen, als guter Beobachter und zugleich kritischer Begutachter. Das natürlich nicht ohne Grund, denn er wollte vieles von dem, was er gesehen hatte, bei sich in der jungen Residenz umsetzen oder verändern.

Viele seiner Einfälle und Visionen verwirklichte er mit der Gründung des Ortes Putbus im Jahr 1810 und der damit einhergehenden Umgestaltung des einstigen französischen Parks in einen Landschaftsgarten nach englischem Stil. Aber nicht nur englische Vorgaben realisierte der Fürst auf der Insel Rügen, sondern auch Anregungen aus anderen Ländern, die er zusammen mit seiner Frau Luise und seinem Bruder Carl Moritz bereiste.

So wird dabei die Idee entstanden sein, dass vor den neu errichteten weißen Häusern in der Alleestraße, am Markt und am Circus Rosenstöcke gepflanzt werden sollten, um die junge Residenz schöner und lebendiger zu machen. Das kann aus der Chronik des Lehrers Dr. Victor Loebe abgeleitet werden, die er zum 100-jährigen Jubiläum der Ortsgründung verfasste: „Öfter wieder, so um 1825 und 1836, wird durch fürstliche Verordnung diese Bestimmung in Erinnerung gebracht /z.B. dass die Häuser jährlich nach der Straße hin frisch abgeputzt und in durchaus gutem Zustand erhalten würden – d. A./ und befohlen, dass Jeder die Straße vor seinem Grundstück wenigstens alle Sonnabende, wenn nicht öfter, fegen lasse. Die Staketen sollten hellgrün angestrichen oder durch Hecken ersetzt werden; kein Schweinekoben oder dergleichen dürfe so aufgeführt werden, dass er von der Straße aus gesehen werden könne.“ (Victor Loebe: Geschichte des Schlosses und der Entstehung und Entwicklung des Badeortes. Putbus 1910.)

Ähnliches mag für das Anpflanzen von Rosen gegolten haben. Da aber das Fürstliche Archiv im Jahr 1945 zerstört worden ist, lässt sich nicht mehr nachweisen, ob es ebenso eine Anordnung zum Pflanzen und zur Pflege von Rosen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab. In den geretteten Unterlagen, die heute im Vorpommerschen Landesarchiv Greifswald aufbewahrt werden, konnte bisher kein Nachweis gefunden werden.In der jüngeren Geschichte ist ein weiterer Hinweis zu finden. Dr. Werner Böttcher, Autor der Schrift „Putbus. Aus Geschichte und Gegenwart der rügenschen Rosen-Residenz“, sieht als Kenner des Hauses Putbus eine sehr enge Verbindung der Rosen zum Begründer von Putbus: „Und auch heute noch, wie in Erfüllung einer letzten Bitte Derer von Putbus, die diesen herrlichen Insel-Ort erstehen ließen, werden alle Bauten weiß gehalten. Immer noch blühen auch jene Rosen des Fürsten Malte vor den Häusern, den gastlichen Stätten am Markt, am Circus, an den Alleen.“ (Werner Böttcher: Putbus. Aus Geschichte und Gegenwart der rügenschen Rosen-Residenz. Putbus 1939.)

Die mündliche Überlieferung der Entstehungsgeschichte, die Bezeichnung als Rosen-Residenz oder Rosenstadt über mehrere Generationen hinweg sowie die seit mehreren Jahren vom Förderverein Residenzstadt und Schlosspark Putbus betriebenen Rosenprojekte, dürften Grundlage dafür sein, dass die Stadt Putbus den Beinamen Rosenstadt tragen sollte.       

André Farin

 

Über Maltes Erben

Wilhelm Malte zu Putbus (Quelle: Stadt Putbus)
Wilhelm Malte zu Putbus (Quelle: Stadt Putbus)

Was wurde aus Ideen und Investitionen des Fürsten zu Putbus?

„Ich scheine zum ewigen Glück geboren“, schrieb Wilhelm Malte zu Putbus (1783-1854) aus der Völkerschlacht von Leipzig an seine Ehefrau Luise nach überstandenem Kanonenhagel und Stunden des Kampfgetümmels. Dieses Glück blieb ihm mit wenigen Ausnahmen bis zu seinem Lebensende treu und half ihm, die eine oder andere Investition für die Zukunft zu meistern. Sein Geburtstag jährte sich am 1. August zum 225. Mal – Anlass für uns, nach dem zu suchen, was aus seinem Erbe geworden ist.

Von den Ideen und Investionen des Fürsten zu Putbus profitieren wir natürlich heute noch. Beginnen wir mit dem Befahren der Alleestraßen, die in die einstige Residenzstadt führen, erholen sich Gäste heute in dem Schatten, den der Planer damals nur erahnen konnte. In den ersten 20 Jahren der Ortsgründung (1810) erfuhren die Straßen und Wege eine grundlegende Erneuerung oder wurden entsprechend der auszubauenden Infrastruktur angelegt – immer mit dem Nutzen der Schatten spendenden und vor Regen schützenden Alleen, von denen nicht allein die Insulaner ins Schwärmen kommen. Zum Markenzeichen des fürstlichen Straßenbaus entwickelten sich die schmiedeeisernen Wegweiser, von denen wir heute wieder einen Großteil bewundern können.

Wer in Putbus gelandet ist, überzeugt sich gern von den Vorzügen der historischen Stadtanlage, die mit Circus, Alleestraße und Marktplatz in Grundzügen der Anlage des englischen Badeortes Bath nachempfunden wurde. Zwischen 1810 und 1845 entwickelte der Fürst diesen wertvollen Stadtkern, der heute unter Denkmalschutz steht und seit der Wende mit fast 20 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln saniert wurde. Nun befindet sich noch nicht jedes der über 100 klassizistischen Stadthäuser in dem ursprünglichen Zustand, doch spürt man den schrittweisen Willen von alten und neuen Putbussern, ganz im Sinne des Ortsgründers die einstigen Wohn- und Geschäftshäuser wieder herzustellen und langsam mit Leben zu füllen.

Ein lebendiges Zeichen dafür sind die vielen Rosen, die die Hauseigentümer in den zurückliegenden Jahren gepflegt oder neu angepflanzt haben. Was Fürst Malte einst als schmückendes Element für seine weiße Stadt am Meer einführte und für jedes weiß gekalkte Haus verordnete, wird bald wieder zum Standard der Rosenstadt gehören. Über 300 Pflanzstellen könnten in den kommenden Jahren, möglicherweise bis zum 200-jährigen Ortsjubiläum, noch mit passenden Rosenstöcken versehen werden – ein Ansporn, von dem sich die Einwohner sicher anstecken lassen werden.

Schließlich bleibt jeder der Besucher vor dem größten Gebäude des Circus stehen und kommt nicht mehr aus dem Staunen, wie lange es keinen Anstrich , neue Fenster oder Türen bekommen hat. Fürst Malte eröffnete es 1836 als höhere Bildungsanstalt der Insel Rügen und machte es als Königliches Pädagogium über die Inselgrenzen hinweg berühmt. Heute sind die Informatik-Experten um Dr. Reinhard Wendlandt in seine Fußstapfen getreten und investieren jetzt Millionen in das IT-College, eine ganz moderne Bildungseinrichtung auf dem Gebiet der Informationstechnologien. Wie einst der Fürst wird tagtäglich an der Weiterentwicklung des Bildungsgedanken auf dem IT-Circus gefeilt und mit staatlicher Hilfe umgesetzt. Das jugendliche Leben, das mit der Blüte in den Ort Einzug halten wird, stand schon bei dem Fürsten im Vordergrund seiner mutigen Investition.

Nicht weniger innovativ zeigten sich die Bestrebungen des Fürsten, ähnlich wie andere Badeorte an der Ostseeküste zu damaliger Zeit, hier auf Rügen den Badetourismus zu etablieren. Nach ersten bescheidenen Anfängen an der Boddenküste von Neuendorf und später Lauterbach ließ er seine Bade-Direktion alle hier getätigten Investitionen an dem Strand von Binz wiederholen und begründete damit das mondäne Bad und Baden an diesem Punkt der Insel. Von den touristischen Gebäuden in Putbus selbst blieb allein das Badehaus in der Goor, dessen Grundstein der Fürst vor genau 190 Jahren legte. Es entstand das Friedrich-Wilhelmsbad, in dem dann die Größen Preußens und dessen Gäste kurten. Heute knüpft die Familie Raulff an diese Tradition an und übernimmt damit einen Bestandteil des kulturellen Erbes der Stadt, mit dem sich Investoren nach 1990 noch sehr schwer taten. Von hier aus erwartet man unter anderem die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem zeitgemäßen Kurort.
Nicht weniger Sorgen macht der 75 Hektar große Park, der von Fürst Malte als englischer Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Was damals über 30 Angestellte anlegten und pflegten, liegt heute in wenigen Händen des städtischen Bauhofes mit nicht ausreichender technischer Ausstattung. Jeder, ob Einwohner oder Besucher, versteht den Park als natürlich gewachsenen Schatz und wichtigen Erholungsfaktor, dessen Pflegezustand aber in vielen Abschnitten nicht mehr zeitgemäß ist. Die Stadtväter werden in den kommenden Jahren nach Alternativen suchen müssen, damit sie nachhaltig und ebenso kreativ und innovativ mit dem Erbe des Fürsten umgehen, wie er es damals tat, als er von seiner Familie den Besitz übernahm. Dieser und seine im Studium und auf Europareisen gesammelten Ideen waren es schließlich, die ihn befähigten, gerade in Bildung und Tourismus zu investieren – zwei Bereichen, von denen wiederum er und die Bewohner seiner Residenz profitieren konnten.

Und heute? Die Stadt Putbus kommt bei ihren Gedankenspielen um die Zukunft nicht um die zwei Entwicklungsbereiche von damals herum. Die Chancen, die sie mit dem fürstlichen Erbe übernommen hat, liegen auf der Hand und brauchen mit ein bisschen Glück „nur“ genutzt werden.

Andrè Farin

 

Förderverein Residenzstadt Putbus & Schloßpark e.V.